Netz-gift

Kann es sein, dass wir die Piraten nicht verstehen, weil wir (beide) schon zu alt sind, weil wir das Internet und die jüngere Generation nicht verstehen?

Nein. Man könnte auch sagen: Die Piraten verstehen die Demokratie nicht! Die bedarf nämlich der strukturierten Bewegungen, die sich klar ausdrücken was sie wollen, die ein Ziel haben, die mehr als, sagen wir, Substanz haben, als den IT-Bereich, die moderenen . Also, das ist ein Bisschen wenig, da muss man schon sagen, vielleicht verstehen die Piraten nicht, wie Demokratie funktioniert. Aber ich glaub überhaupt nicht, dass das eine Frage des Alters ist, das wir das nicht verstehen. Die Dinge muss man nur intellektuell durchdringen. Und ich bin nicht sicher, ob die Piraten selbst verstehen, was sie sind.

Wenn wir bedenken, was für wirtschaftliche, monopolistische, hoch gefährliche, wirklich toxische Kräfte hinter der IT-Geschichte stehen, hinter den ganzen modernen Medien; nehmen Sie – das ist eine Ungeheuerlichkeit was sich erlaubt mit Urheberrecht, mit der Vermaktung von Daten; nehmen Sie – eine ganz schlimme Sache.

Natürlich, die Jungs sagen: Ist mir doch wurscht, ich geb da mein ganzes Leben preis. Na, die sind 20 und 30 und mit 40 werden sie vielleicht sagen: Es war eine Blödsinn. Aber da sind Dinge im Gang – rein kommerziell! Man könnte sogar sagen: Keine andere Partei ist so sehr eine Lobby-Partei mächtigster, mächtigster und zwar globaler mächtigster wirtschaftlicher Interessen wie die Piraten.

Die Piraten sind ja entstanden mit der Auseinandersetzung über das Urheberrecht. Die jungen Leute haben umsonst Filme, Musik downgeloaded.

Absurd. Absurd. Absurd. Jeder von denen, wenn er denn begabt ist und mal etwas macht, wo er aufs Urheberrecht angewiesen ist, weil er damit auch sein Leben verdienen kann mit seiner Leistung – das gehört doch zu unserem Wirtschaftsethos, dass man mit seiner Leistung doch sein Leben verdienen können müsste. Und sobald dann einer dieser Piraten in eine solche Sitution kommt, begreift er vielleicht, was für ein Schwachsinn da im Gang ist wenn man sagt: Ach, wir können doch alles downladen, was soll denn das, wir müssen eine neue Freiheit haben. Das ist ja das Pendant zur Finanzwelt. zur globalisierten. Die sagen auch: Das ist doch ein neuer rechtfreier Raum, was wollt ihr denn in diesen Nationen da, in diesen Gesellschaften, Staaten reglementieren, wir sind doch in einem „rechtsfreien Raum“. So, in diesem Raum bewegt sich die ganze IT-Gemeinde und hat das Gefühl für uns muss neues Recht geschaffen werden.

Es muss übrigens überhaupt kein neues Recht geschaffen werden. Das Recht ist da und man muss es anwenden!

Könnte man dann sagen, sie (Die Piraten) sind im Grunde die „Fünfte Kolonne“ von GOOGLE und FACEBOOK?

Es könnte so weit kommen, dass sie das sind. ich glaub nicht, dass Sie das jetzt schon sind. Aber GOOGLE, FACEBOOK und Konsorten, diese ganzen großen Machtkonglomerate werden natürlich mit großer Freude da kucken, wie „ihre Jüngsten“ oder ihr „Publikum“ sich da begeistert für diesen „rechtsfreien Raum“, den diese – ich nenn sie „Konglomerate“ – Mächte schamlos nutzen. Schamlos nutzen. Nur für Geld. Es gibt ja überhaupt keinen idealistischen Anspruch. Lassen Sie das doch sein, dass dieser Zuckerberg einen idealistischen Anspruch hatte. Um Geld gehts, um Börse gehts, um Nutzung von Daten gehts, um Vernetzung von Daten gehts, um noch mehr Geld gehts, da sind ja die Bankiers – sagen wir mal nicht Bankiers! – die Bänker der Deutschen Bank, das sind ja kleine Nummern dagegen in der Profitgier. Kleine Nummern.

Da ist was im Gang. Und da könnte eine Piraten … Partei nennt man sie ja … dieses Piratenphänomen könnte da die Dinge in die Hand nehmen und sagen, so geht das nicht. Sie sind ja selber, zappeln sie selber im Netz und die Spinne heißt GOOGLE  und die Spinne heißt FACEBOOK. Das ist doch die Wirklichkeit. Sie zappeln doch alle im Netz. Man sagt ihnen, ihr dürft da ein Bisschen rumspielen – das finden sie toll! Insofern hat diese Bewegung etwas absolut Kindisches auch.

Muss einen das auch Angst machen, denn die Piraten sind ja zugleich auch antiintellektuell?

Ja, das passt ja dazu. Das Antiintellektuelle ist übrigens immer Teil des Populistischen. Das ist Netzpopulismus, das hier betrieben wird. Man hat ja nicht von ungefähr festgestellt, dass die Piraten auf ähnlichen Unmut basieren, wie seinerzeit die rechtpopulistische Schill-Partei in Hamburg. Jetzt fragen Sie mich, ob das Angst macht. Nein! Man muss nur drüber reden, auch wagen, gewisse Sachen zu sagen. Ich habe es gewagt, das eine oder andere, was ich gewagt habe trifft  dann vielleicht nicht zu. Das macht aber nichts. Die wollen provozieren und finden sich super. Na ja. Ich auch, ich woll auch provozieren.

Es sprach Frank A. Meyer. Das Internview führte für CICERO Christoph Seils. Der Text gibt Ausschnitte daraus wieder.

Bild: Tor Paulin

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