Der Schwarm als Masse im Shitstorm

Swarm-masse

Es ist ja nicht so, dass sich eine Menschenmasse zusammenrauft um besonders gut auszusehen. Sie fliehen auch vor keinen Feinden – in der Regel zumindest. Menschen haben im Prinzip also nicht das gleiche Interesse einen Schwarm zu bilden, wie Tiere die das tun. Im Tierreich und im Internet spricht man von Schwarm, bei höheren Tieren heißt ein größeren Aufkommen, das beispielsweise eine blühende Ebene in einen staubige Wüstenei verwandelt, Herde. Insekten, Fische und Vögel bilden Schwärme. Säugetiere tun das nicht. Außer in Facebook und auf Twitter.

Warum sich Menschen im Internet, auf Facebook und Twitter, zu einem Schwarm zusammenballen, um zum Beispiel einen sogenannten Shitstorm vom Zaun zu brechen, ist bisher nicht genau erforscht. Offenbar fühlt sich auch der Homo Sapiens in einer Horde sicherer und traut sich mehr … zu.

Massenphänomene kennen wir aus unsere Geschichte zuhauf. Etwa in der jüngeren Geschichte der Menschheit den Sturm auf die Bastille am 14. Juli 1789 als symbolischen Auftakt zur französischen Revolution. Diese entscheidende Revolution war der erste Shitstorm, der eine alteingesessene Monarchie hinwegfegte. Das tat später bei uns in Deutschland auch der Erste Weltkrieg, dem die jungen Männer damals mit großer Freude und in Massen beitraten. Später dann gab es bei uns eine besondere Schwarmintelligenz, die Millionen von Menschen das Leben kostete: Den Nationalsozialismus mit seinem Rassenwahn. Die Nazis, getragen durch die Masse der deutschen Bevölkerung, entfachten einen Shitstorm über ganz Europa und die halbe Welt, sie versuchten bekanntermaßen eine ganze Volksgruppe, die Juden, zu vernichten.

Heute sind diese Massenphänomene weitaus „zivilisierter“. Sie kommen im Sport vor und neuerdings auch in Protestformen. Wobe – wie wir schon bemerkten – diese Massenproteste kein Phänomen unserer Tage sind, die hat es schon lange vor uns genau so gegeben. Auch die Nazis sind aus Protest auf die Straße gegangen. In unseren Tagen finden Massenbewegungen jedenfalls hauptsächlich im Internet statt. Ist viel bequemer, tut auch meistens nicht so weh. Wie bei anderen Massenveranstaltungen auch, braucht man sich auch hier keine eigene Meinung zu bilden und mühsam in einem längeren Prozess erarbeiten. Sondern man schließt sich einfach einen Schwarm an. In diesem Sinne ist die Schwarmintelligenz von den eben beschriebenen menschlichen Massenaufläufen nicht zu unterscheiden. Und nicht minder gefährlich … für das Individuum, wie auch für die auf diese Art bekämpften Menschen. Nur heute verkaufen uns diejenigen, die von diesen Bewegungen am Meisten profitieren – Werbefachleute, Social-Media-Berater, Buchautoren, Massenmedien – den Massenwahn als Intelligenz

Und wir freuen uns darüber, ganz unverhohlen intelligent sein zu dürfen. Niedertracht in einem neuen Kleid.

Foto: Peter Jakobs

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1 Kommentar

  1. Mark Max Henckel

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