Die Diva ist ein Nerd. Sie schwabbelt im eigenen Saft und lebt vor allem in ihren sehr eigenen Welt. Dort empfängt sie Besuch. Und Huldigung. Da Männer in der Regel mit etwas denken, das nicht zum Denken geeignet ist, nämlich Schleim, umsabbern sie die Diva, die sich in dem Ejel behaklich räkelt. Nichts ist dazu besser geeignet, als ein „Soziales Netzwerk“. Nirgends funktioniert das Diventum so gut wie auf Facebook, obwohl Twitter und die anderen Scheusslichkeiten auch nicht ohne sind. Es gibt Diven, die nur auf Twitter funkionieren. So gesehen befördern und zementieren die Social Network den sämtlicher Generationen, die sich dort tummeln. Dieses Diventum ist natürlich nicht nur auf Frauen beschränkt, aber sie führen die Trottel an. Die Diven sind es, die diese Netzwerke beleben und befeuern. Ohne sie geht gar nichts.

Als wären die Social Communities geradzu für die Diven erfunden. Und die die Smarphone auch. Denn als Diva braucht man zwei Dinge wie die Luft zum Atmen: Fotos und Fans. Bilder, um sich zu bespiegeln und Bewunderer – „Freunde“ – die einem applaudieren und ein paar sabbernde Scherze in den Kommentaren hinterlassen. Perfekt. Vor allem, weil es Dank der neuen Techniken für jede (angehende) Diva kinderleicht ist, ein Selbstprotrait zu fertigen und es hochzuladen. Ob mit Kussmund, mit Freundin, Hund oder Katze, ob mit Blumen, im Bett oder in der Disse, ob im Badezimmer und am Beach – alles raufladen und anbieten.

Richtig berühmt wird es, wenn diese Bildchen – zuweilen auch ohne die Diva selbst, aber unverkennbar von ihr – mit einem Text versehen werden. Einem belehrenden Text natürlich, der die Weisheit und Lebenserfahrung („Es ist mehr da, als das Auge sehen kann …“) der Diva weiterträgt. Oder eine Frage an die Gemeinschaft richtet. Entweder eine lebenskluge, die die emotionale Kompetenz der Diva unterstreicht, oder eine die Lustigkeit verströmt und Sympathiewerte statt über Bilder über den Humor, den Diven-Humor generiert. Das sind dann meist Fragen aus dem Beziehungsbereich („Ich habe gelesen, dass Eheleute nur 7 Minuten am Tag mit einander reden …“).

Hunde-DvaDas Kennzeichen einer Diva ist ihre Solokarriere als Mensch. Natürlich wird auch gerne ein Freund, ein Partner hergezeigt, was damit zusammenhängen mag, dass die Diva allein nicht überlebensfähig ist. Oft ist der ihr Ernährer, wenn sie schon die 20er-Jahre verlassen hat. Sie verfügt über viel Freizeit – denn ihr Geldheld und Bewunderer schafft mehr als genug Kohle heran – und zeigt gern ihre Wohngegend oder gar ihre Einrichtung her. Das alles will bewundert und besabbert werden, eingetüncht mit viel Humor, damit die dümmlichen Post und deren Beschleimung nicht allzu widerwärtig erscheinen.

Ist kein Kerl zu Hand, weil die zu schmutzige Fantasien haben und meist doch nicht zu kontrollieren sind, tut es auch ein Tier. Deshalb finden sich zwischen den Diven-Bildern meist auch Fotos von Katzen oder Hunden. Eher Katzen. Denn Katzen sind die Diven unter den Haustieren. Sie sind dumm wie Brot, sehen gut aus, geben angenehme Geräusche von sich, sind sehr reinlich und belecken sich ständig. Ganz die Mama. Ganz die Diva. Das ist der wahre Grund, warum die meisten Bilder im Internet, bei Facebook, Twitter & Co., Katzen und Haustiere und ihre Mamas und Diven sind.

Ich kann nichts dafür, dass die Diven keinen tollen Papa hatten, der sie hat gar nicht erst auf den Thron Platz nehmen lassen. Mein Vorwurf richtet sich direkt an meine Geschlechtsgenossen. Mit euer Schleimerei, mit euren Schönheitsbekundungen und eurem bewundernden Interesse an den Diven der sozialen Netzwerke, bestärkt ihr sie in ihrer seelischen Verkümmerung und erzeugt am Ende mehr von diesen kritikunfähigen Spiegelgirls, als es gut sein kann. Denn übrig bleibt ihr selbst.

Fotos: Katze (linda), Hund (This Year’s Love)