Manchmal hat man schon genug gegessen, möchte aber noch mehr kotzen. Dann hat man einen Fehler gemacht. Man hat sich mit einem uralten Phänomen beschäftigt, dass zumeist jüngere Menschen befällt und sich wie eine Seuche verbreitet. Nur, dass jeder dieser Hipster behauptet, er hätte sich nicht an der Masse infiziert, sondern sein ganze eigenes Virus entwickelt, das andere anstecke. Ein Modevirus.

Irgend wie kriegen die nicht mit, dass dieses angebliche Individuum, das sie unbedingt sein und feier wollen, in Massen auftritt. Und alle Individuen haben einen Facebook- und/oder Twitter-Account, ein Smartphone, Notebooks, machen was mit Medien, hören die angesagteste Musik, kennen die neues Games und die abgefahrensten TV-Serien aus England und Amerika. Sie wollen originell sein, ein Unikat, was durchaus verständlich ist. Und das wollen sie so sehr, dass sie gar nicht merken, dass sie imitieren. Das ist aber ganz normal und das wollen sie auf keinen Fall sein. Aber sie sind es. Schon immer gewesen. Darauf sie eine ganze Marketing-Industrie zugeschnitten, darauf setzen die vollkommen enthemmten Werbefuzzis, die ihren Mist mit Gewalt an dern Hipster bringen wollen. Und es klappt. Es klappt hervorragend. Denn die Masse macht es. Nicht das Individuum. Die Illusion, etwas Besonderes zu sein ist käuflich. Sie will gekauft werden, weil es keine andere Möglichkeit gibt, sich zu beweisen, Stärke und Autonomie zu erlangen. Wir sind im Internet, um dabei zu sein, um zu erfahren, was vorne ist. Und wie ich dort hingelange. Ein paar Klicks reichen meistens.


SPIEGEL Online: Der Hipster – Subkultur mit Hornbrille, Jutebeutel und Vollbart

Gerade der Hipster, obwohl Wikipedia etwas anderes behauptet (hat wahrscheinlich ein Hipster oder ein betrunkener Soziologie geschrieben), besitzt ein ausgeprägtes Szenebewusstsein. Das macht ihn so traurig. Später, wenn keiner zu schaut. Das macht ihn so hilflos und abhängig. Deshalb gibt es sich ja einer vermeintlichen Avantgarde hin. Und weil das alles so schön gelogen ist, vergewissert er sich selbst mit Mode-Schnickschnack, Tattoos und einer eigenen Subkultur aus Individuen, die ihm versucht ein Individuum zu sein. Auch, wenn ES in Massen auftritt.

Wir sind vermutlich alle verloren. Der Hipster drückt das nur anders aus.

Foto: Alex Senna