Das sprichwörtliche Elefantengedächtnis ist ein Resultat der Evolution: Die Dickhäuter müssen auf der Suche nach Wasser weite Gebiete durchstreifen, was im Laufe der Anpassung eine hervorragende Orientierungsfähigkeit, auch „Mapping“ genannt, hervorbrachte. Der Elefant kann sich also wichtige Punkte merken und bewegt sich zielsicher durch sein riesiges Territorium. Auch wir hinterlassen solche Spuren, nämlich mit jedem Post im – sie aufzunehmen und zu verfolgen, das ist wiederum ein Leichtes. Und hier kommt der Dickhäuter erneut ins Spiel: Will uns jemand übel mitspielen, kann er sich hier wie ein Elefant im Porzellanladen bewegen und jede Menge zerdeppern – im übertragenen Sinne natürlich.

Es liegt wohl an den Dimensionen, die das Thema immer wieder auf die Tagesordnung bringen: Können wir uns überhaupt ein Bild davon machen, wie das Internet und die immer besser werdenden Suchmaschinen funktionieren? Stellen wir uns doch mal Folgendes vor: Wir stehen auf einer Bühne, vor uns das Publikum. Die ersten Reihen erkennen wir noch ganz gut, was nicht zuletzt daran liegt, dass dort unsere Freunde, die Familie und ein paar Bekannte stehen und uns zujubeln. Die nächsten Reihen werden schon undeutlich, wir spüren aber, dass da eine Riesenmenge ist – wir können sie nur noch als große, vage Masse wahrnehmen und eine Ende der Reihen ist überhaupt nicht auszumachen. Irgendwie verliert sich die Menge am Horizont – sie ist aber da. Und nun beginnen wir mit einem lasziven Posing oder gehen sogar noch einen Schritt weiter.

Auch wenn wir uns nur für einzelne Personen in der ersten Reihe ausziehen und räkeln, muss uns doch vollkommen klar sein, dass die Riesen-Leinwände unsere anzüglichen Posen haarscharf übertragen – bis in den letzten Winkel. Außerdem kommunizieren die Menschen miteinander, wir sind bereits in den hinteren Rängen ein Thema, während wir noch ganz vertraut mit der ersten Reihe plaudern. Es entsteht ein Riesengemurmel, das als großes Rauschen zu uns zurückschlägt. Mit einem Wort: Es würde uns nie im Traum einfallen, uns vor ein solches Publikum zu stellen und Vertrauliches in ein Mikro zu flüstern – oder uns gar auszuziehen und in eindeutig zweideutigen Posen zu präsentieren. Warum tun wir es dann im Internet?

Unser Bild oder Kommentar verschwinden vielleicht relativ schnell von den ersten Seiten der Suchmaschinen – weil sie von anderen Informationen verdrängt werden, die im Moment relevanter sind. SIE SIND ABER DA. Es muss nur tiefer gegraben werden. Selbst wenn wir einiges , haben doch andere unsere Beiträge geteilt, sie weitergeleitet und sie so wiederum weiteren Personen zugänglich gemacht, die wir gar nicht kennen – und überall sind die Posts noch nachvollziehbar. Wir haben die Macht über unsere Bilder oder Beiträge ganz einfach aus der Hand gegeben – auf der Bühne in einer Live-Übertragung können wir auch nicht sagen, ups, das ist uns jetzt so rausgerutscht, spult einfach mal zurück und löscht das Ganze. Und sollte unser Post unter die Gürtellinie gehen und eine andere Person verletzen, dann werden wir an dieser Stelle zum Elefanten im Porzellanladen: Auch eine unüberlegte und verletzende Bemerkung können wir nicht wieder ausradieren, sie gräbt sich tief in das Gedächtnis des ein.

Take care – das Internet ist unsere große Bühne.

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