Buchtipp: Gegen die Diktatur der Gewinner

Tim Leberecht ist eigentlich ein Gewinner. Aber er ist auch scharfsinniger Vordenker für einen neuen Humanismus in Wirtschaft und Gesellschaft, prophezeit: In Zeiten der Digitalisierung und der ständigen Optimierung müssen wir neu lernen, mit Niederlagen umzugehen. Verlieren wird sogar zur unerlässlichen Kernkompetenz. Welche Arten des Verlierens es gibt und wie wir gut damit zurechtkommen, verrät er in diesem leidenschaftlichen, gesellschaftskritischen Aufruf zu mehr Menschlichkeit.

Wie Sie Kunden gewinnen, wie Sie Menschen gewinnen, wie Sie im Leben gewinnen: Das Dogma vom Gewinnen-Müssen ist ungebrochen. Über das Verlieren spricht keiner – aus Angst, als Versager dazustehen. Tim Leberecht sieht darin jedoch eine große Chance: Denn nur eine Gesellschaft, in der wir verlieren können, ohne als Verlierer abgestempelt zu werden, ist eine humane Gesellschaft. Leberecht stellt die vorherrschende Winners-take-all-Mentalität infrage, geht auf verschiedene Arten des Verlierens ein und beschreibt Strategien, wie wir mit Niederlagen und Verlusten produktiv umgehen können. Sie reichen von sozialer staatlicher Fürsorge über Raum für Negativerfahrungen in der Arbeitswelt bis hin zum bewussten persönlichen Verzicht.
Eine scharfsinnige Beobachtung unserer Gesellschaft, ein radikaler Tabubruch, der die Verletzlichkeit in einer durchoptimierten Welt als Stärke begreift, und die anregende Utopie einer zutiefst menschlichen Gesellschaft der guten Verlierer.

Tim Leberecht ist Unternehmer, Publizist und Kurator. Er ist Mitgründer und Co-CEO der Business Romantic Society, die Organisationen bei Visionsentwicklung und Transformation hilft und den internationalen Think Tank House of Beautiful Business unterhält. 2015 erschien bei Droemer sein Buch Business-Romantiker. Er schreibt für Harvard Business Review, Forbes, ada, t3n und die Süddeutsche Zeitung und ist gefragter Redner auf Konferenzen wie DLD, Re:publica, SXSW und TED. Leberecht lebt in Berlin.

Fazit

Ein solches Buch ist überfällig und es hat es in sich. Es stemmt sich bewusst gegen den Strom der „Gewinner“, der Selbstoptimierer, der Maximal-Erfolgreichen und dem Druck, der von Ihnen ausgeht. Der Autor ist mit diesem Buch im Widerstand. Dabei lässt es nichts aus und bezieht Stellung in Sachen Digitalisierung, Unternehmensführung und legt überall dort den Finger in die Wunde, wo das Diktat zum Gewinnenmüssen alle natürlichen und menschliche Impulse negiert und unterdrückt. Gerade in Zeiten, wie diesen, die geflutet ist mit Coaches und nebenberuflichen Beratern, die einem zwingend dabei helfen, noch optimaler, noch erfolgreicher zu sein. Nein, sagt Leberecht, das kann nicht der richtige und schon gar nicht der einzige Weg sein. Folgen wir seinen Gedanken in diesem lesenswerten Buch und verstehen, dass man spielen kann ohne gewinnen zu müssen. Leben hat. Lesetipp!

Gegen die Diktatur der Gewinner – Wie wir verlieren können, ohne Verlierer zu sein

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von Tim Leberecht
256 Seiten, Droemer HC (20. August 2020)
ISBN 3426278189
Gebundene Ausgabe 20,- Euro

Siehe auch: Gehört die Zukunft den Verlierern?

vor 3 Monaten

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