Buchcover: Post mortem von Michael Jürgs

Buchvorstellung: Post mortem von Michael Jürgs

Leider ist Michael Jürgs seiner Krankheit erlegen und 2019 gestorben. Post mortem ist also tatsächlich nach seinem Tod erschienen. Mit dem Buch hat der Journalist seine Krankheit verarbeitet, sein Leben und sein Sterben miteinander literarisch verknüpft.

Ehrlich, offen, ohne Tabus – ein sehr persönliches Zeugnis des bekannten Journalisten und Bestsellerautors

Aus dem Nichts heraus erhält Michael Jürgs die Diagnose: Krebs. Er weiß sofort, dass die Uhr tickt. Als Vollblut-Journalist beginnt er mit einer „Recherche“, die sich mit dem Leben nach dem Tod beschäftigt: Wen trifft man im Jenseits? Und erhält man dort endlich Antworten auf viele ungelöste Fragen? Michael Jürgs beschäftigt sich aber nicht nur mit dem Tod, dem Sterben oder damit, ob es Gott gibt. Ihm geht es vor allem um die großen Themen, die die Menschen berühren.

Im Jenseits trifft er zunächst seine Verwandten, mit denen er seine persönliche Geschichte aufarbeitet. Er begegnet aber auch einer Vielzahl von Menschen, die Unerhörtes, Neues, Unsterbliches hinterlassen haben – Politiker, Künstler, Wissenschaftler, Erfinder und Dichter. Er lässt Willy Brandt eine fulminante Rede gegen die AfD halten oder Regine Hildebrandt gegen Besserwessis wettern; er besucht Gutenberg in seiner Werkstatt, Picasso in seinem Atelier, er trifft Shakespeare bei einer Theaterinszenierung von Gustav Gründgens, spricht mit Theodor Fontane und Bertolt Brecht bei einer Dichterlesung und lauscht einer Ansprache von Karl Lagerfeld auf einer Kirmes.

Sein Buch wird so zu einer autobiographischen Reise durch sein Leben und seine Zeit und ist zugleich eine Kultur- und Bildungsreise durch die abendländische Geschichte.

Michael Jürgs war u.a. Chefredakteur von Stern und Tempo und hat sich als Biograph einen Namen gemacht. Seine Lebensbeschreibungen Der Fall Romy SchneiderDer Fall Axel SpringerGern hab’ ich die Frau’n geküsst (über Richard Tauber), Bürger Grass und Eine berührbare Frau (über Eva Hesse) wurden ebenso Bestseller wie Die TreuhänderDer kleine Frieden im Großen Krieg (2003) und Der Tag danach. Zusammen mit der Journalistin und TV-Moderatorin Angela Elis legte er das Pamphlet Typisch Ossi, typisch Wessi vor. Viel Anerkennung bekam er für seine Bilanz der deutschen Einheit Wie geht’s, Deutschland? (2008) und für seine Geschichte des Bundeskriminalamts BKA. Die Jäger des Bösen (2011) und Codename Hélène: Churchills Geheimagentin Nancy Wake und ihr Kampf gegen die Gestapo in Frankreich (2012); seine Streitschrift Seichtgebiete (2009) verkaufte sich über 100.000mal. Er ist Co-Autor vieler Fernsehdokumentationen, die nach seinen Büchern gedreht wurden.

Fazit: Ein literarischer Leckerbissen.

Das Buch ist für Menschen, die gern lesen, sich für Politik und Zeitgeschichte interessieren und vielleicht sogar den Autor kennen und schätzen, ein literarischer Leckerbissen. Denn schreiben, erzählen konnte Michael Jürgs. Es war sein Leben. Und er war mittendrin. Es eignet sich gut für verregnete Wochenenden, kalte und einsame Abende oder im Sommer im Garten mit Kaffee auf der Liege.

Ich habe es noch nicht ganz durchgelesen und kann es trotzdem empfehlen. Wie gesagt: Der Mann konnte schreiben und hat auch was zu sagen. Es ist anregend und unterhaltsam, ein echtes Lesebuch irgendwo zwischen Roman und gesellschaftlicher deutscher Realität.

Post mortem – Was ich nach meinem Tod erlebte und wen ich im Jenseits traf

von Michael Jürgs
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272 Seiten, C.Bertelsmann Verlag (16. September 2019)
ISBN 3570104117
Gebundenes Buch 22,- Euro

Leseprobe Post mortem

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vor 1 Minute

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