Anfangs, als das Internet noch Hoffnung gebar, konnte keiner damit rechnen, dass es um mehr geht, als ums Teilen, Beteiligen und ums Öffentlichmachen. Da glaubte man noch an die heilende Wirkung von Togetherness, lebte Freiheit und Toleranz in sich selbstorganisierenden Netzwerken, beispielsweise in der Welt der aufkommenden Weblogs. Niemand dachte daran, dass man daraus ein Riesengeschäft machen kann. Denn die Stimmung war unaufgeräumt, subversiv und ... kreativ.
Ich rede viel über die Misserfolge, die ich so hatte in den letzten Jahre oder auch über die Veränderungen im Rock´n Roll. Früher hat die Band gespielt und das ganze Publikum ist abgegangen. Ich hab auf meiner letzten Tour gemerkt, ich spiel so mit der Band und kuck ins Publikum und alle stehen da mit ihrem Handy und filmem Dich wie ein wildes Tier. Und alle achten nur noch auf das kleine Display und keiner geht mehr richtig ab - das ist ganz fürchterlich.
Und ganz fürchterlich ist es ... ich habe in Cottbus gespielt, da waren zwölf zahlende Gäste in ner Halle wo 800 reingepasst hätten und dann hab ich gespielt und dann ist einer nach vorne gelaufen und hat mich gefilmt. Ein einziger. Und dann meinte ich igrendwann zu ihm: "Kannst du aufhören mich zu filmen, ich find das unangenehm!" Und dann meinte er so: "Ich kann doch machen, was ich will!"
"Kannst du bitte aufhören damit?!"
Und dann hat er das am nächsten Tag auf Youtube gestellt mit der Überschrift "Olli Schulz mag nicht dass man ihn filmt!"
Und dann hab ich mich bei Youtube angemeldet und ihm geschrieben: "Kannst du das Video wieder runternehmen?!" Und rate mal, was er geantwortet hat! "Nee, ich kann doch machen, was ich will."Das war so ein "Freidenker".
Und dann hab ich ihm gesagt: "Bitte nimm es runter!" Und dann hat er gesagt: "Woher soll ich denn wissen, dass Du wirklich Olli Schulz bist?"
Da musste ich dann ein Foto machen mit der Tagespresse, mit ner Dose Suppe in der Hand, um zu beweisen, dass ich auch wirklich Olli Schulz bin. Und dann hat er es runtergenommen.
Fürchterlich. Youtube - die sind ja voll anstrengend. Wenn du dir die Videos angekuckst, da unter die Kommentare, dann denkst du: Die Welt steht kurz vorm 3. Weltkrieg.
Weil: Du kuckst dir n Video an, der erste schreibt: "Das ist das geilste!"
Der nächste schreibt: "Das ist scheiße!"
Dann schreibt der nächste: "Du bist schwul."
Und dann schreibt der nächste: "Ich piss deinen Eltern die Augen aus dem Kopf!"
Und dann geht das immer so weiter, dann gehen die in so eine Gewaltspirale im Deckmantel der Anonymität - das ist so ätzend!
Internet ist voll dumm, find ich. Das ist so eine Plattform für alle Psychopathe auf der ganzen Welt. Schrecklich.
Olli Schulz bei Stefan Raab (TV TOTAL) am 26.4.2012
Foto: Erin!Nekervis
Neue Rubrik bei OFFLINE IST DAS NEUE ONLINE: Offline-Linktipps gegen die Doofheit. Heute in der Ausgabe No 1!
SPIEGEL Online: Debatte um Urheberrecht
Legt euch doch mit Apple an!
Eine Kolumne von Jan Fleischhauer
Die Piraten sind die erste Formation links der Mitte, die es geschafft hat, viele Intellektuelle gegen sich aufzubringen - mit ihrer Forderung, digitale Inhalte freizugeben. Bei den Nerds haben geistige Güter keinen besonderen Wert.
Meine Lieblingsabsatz:
Mit dem Sozialismus im Netz, wie ihn die Piraten propagieren, verhält es sich so wie mit allen Wirtschaftsexperimenten dieser Art: Entweder man findet genug Leute, die sich auch noch anstrengen, wenn vor allem andere davon profitieren - oder es gibt bald nicht mehr viel, was es wert ist, dass man es umsonst unters Volk bringt.
Der nächste Artikel, den ich empfehlen möchte hat nur vordergründig nichts mit dem Internet zu tun und er bezieht sich in der Tat auf die Offline-Welt. Das Gemeinsame ist das Neue, eine angeblich "schöne neue Welt", in der andere Werte gelten, da die alten Regeln "keine Gültigkeit mehr" hätten. Dies verbindet das folgende Thema mit den Piraten.
In der Dokumentation "Work Hard, Play Hard" wird der Mensch optimiert
Schöne, schreckliche Neuarbeitswelt
Von Hanns-Georg Rodek
Am besten wird man "Work Hard, Play Hard" wohl als Horrorfilm bezeichnen. Nun spielt er fast ausschließlich in lichtdurchfluteten Räumen, die handelnden Personen gehen ausnehmend höflich miteinander um und treffen sich an Coffee Points, um bei einem Latte über Wetter und Fußball zu plaudern. Trotzdem, und obwohl sich Carmen Losmanns Film als Dokumentation begreift, bestehe ich darauf: Dies ist ein Gruselfilm.
Mein "Lieblingsabsatz" daraus:
Der Horror in "Work Hard, Play Hard" ist nichts anderes als der Schrecken, der einen beschleicht, wenn man Zeuge einer Gehirnwäsche wird. So stellt man sich Scientology-Seminare vor. Zunächst scheint der Prediger völligen Humbug zu reden, aber irgendwann beginnen die Gepredigten, seine Phrasen aufzugreifen und sie, unbeholfen noch, selbst zu verwenden - ob aus fortgeschrittener Gehirnerweichung oder aus kalkuliertem Opportunismus, sei dahin gestellt.
P.S.: Die Aufnahmen entstanden mit Einwilligung der Firmen, denn die halten alles für völlig normal. Dies verschärft den Horror noch um ein paar Grade.
Und noch ein Artikel aus DIE WELT zum unendlichen Thema Facebook.
Soziales Netzwerk
Die große Angst der Deutschen vor Facebook
Zwei von fünf Deutschen ist das soziale Netzwerk nicht geheuer. Das besagt eine neue Umfrage. Dennoch sind mehr als 90 Prozent der Schüler und Studenten angemeldet.
Von Florian Rinke
Facebook polarisiert. Unverzichtbare Kommunikationsplattform ist das boomende soziale Netzwerk für die einen – während andere es aus Sorge um ihre Daten ablehnen. Aber diese Zahl erstaunt dann doch: 42,6 Prozent der Deutschen haben Angst vor Facebook.
Und zwar zurecht. Und das ist mein Absatz:
Den Aschermittwoch nutzte der rheinland-pfälzische Datenschützer Edgar Wagner, um die Nutzer zur Facebook-Abstinenz während der Fastenzeit aufzurufen.
Das Netzwerk sei ein Angriff auf die Kultur, denn „Facebook ist ein Durchlauferhitzer zur Kommerzialisierung unseres Lebens und unserer Privatsphäre“, sagte Wagner
Foto: Geek And Poke
Kann es sein, dass wir die Piraten nicht verstehen, weil wir (beide) schon zu alt sind, weil wir das Internet und die jüngere Generation nicht verstehen?
Nein. Man könnte auch sagen: Die Piraten verstehen die Demokratie nicht! Die bedarf nämlich der strukturierten Bewegungen, die sich klar ausdrücken was sie wollen, die ein Ziel haben, die mehr als, sagen wir, Substanz haben, als den IT-Bereich, die moderenen Medien. Also, das ist ein Bisschen wenig, da muss man schon sagen, vielleicht verstehen die Piraten nicht, wie Demokratie funktioniert. Aber ich glaub überhaupt nicht, dass das eine Frage des Alters ist, das wir das nicht verstehen. Die Dinge muss man nur intellektuell durchdringen. Und ich bin nicht sicher, ob die Piraten selbst verstehen, was sie sind.
Wenn wir bedenken, was für wirtschaftliche, monopolistische, hoch gefährliche, wirklich toxische Kräfte hinter der IT-Geschichte stehen, hinter den ganzen modernen Medien; nehmen Sie GOOGLE - das ist eine Ungeheuerlichkeit was sich GOOGLE erlaubt mit Urheberrecht, mit der Vermaktung von Daten; nehmen Sie FACEBOOK - eine ganz schlimme Sache.
Natürlich, die Jungs sagen: Ist mir doch wurscht, ich geb da mein ganzes Leben preis. Na, die sind 20 und 30 und mit 40 werden sie vielleicht sagen: Es war eine Blödsinn. Aber da sind Dinge im Gang - rein kommerziell! Man könnte sogar sagen: Keine andere Partei ist so sehr eine Lobby-Partei mächtigster, mächtigster und zwar globaler mächtigster wirtschaftlicher Interessen wie die Piraten.
Die Piraten sind ja entstanden mit der Auseinandersetzung über das Urheberrecht. Die jungen Leute haben umsonst Filme, Musik downgeloaded.
Absurd. Absurd. Absurd. Jeder von denen, wenn er denn begabt ist und mal etwas macht, wo er aufs Urheberrecht angewiesen ist, weil er damit auch sein Leben verdienen kann mit seiner Leistung - das gehört doch zu unserem Wirtschaftsethos, dass man mit seiner Leistung doch sein Leben verdienen können müsste. Und sobald dann einer dieser Piraten in eine solche Sitution kommt, begreift er vielleicht, was für ein Schwachsinn da im Gang ist wenn man sagt: Ach, wir können doch alles downladen, was soll denn das, wir müssen eine neue Freiheit haben. Das ist ja das Pendant zur Finanzwelt. zur globalisierten. Die sagen auch: Das ist doch ein neuer rechtfreier Raum, was wollt ihr denn in diesen Nationen da, in diesen Gesellschaften, Staaten reglementieren, wir sind doch in einem "rechtsfreien Raum". So, in diesem Raum bewegt sich die ganze IT-Gemeinde und hat das Gefühl für uns muss neues Recht geschaffen werden.
Es muss übrigens überhaupt kein neues Recht geschaffen werden. Das Recht ist da und man muss es anwenden!
Könnte man dann sagen, sie (Die Piraten) sind im Grunde die "Fünfte Kolonne" von GOOGLE und FACEBOOK?
Es könnte so weit kommen, dass sie das sind. ich glaub nicht, dass Sie das jetzt schon sind. Aber GOOGLE, FACEBOOK und Konsorten, diese ganzen großen Machtkonglomerate werden natürlich mit großer Freude da kucken, wie "ihre Jüngsten" oder ihr "Publikum" sich da begeistert für diesen "rechtsfreien Raum", den diese - ich nenn sie "Konglomerate" - Mächte schamlos nutzen. Schamlos nutzen. Nur für Geld. Es gibt ja überhaupt keinen idealistischen Anspruch. Lassen Sie das doch sein, dass dieser Zuckerberg einen idealistischen Anspruch hatte. Um Geld gehts, um Börse gehts, um Nutzung von Daten gehts, um Vernetzung von Daten gehts, um noch mehr Geld gehts, da sind ja die Bankiers - sagen wir mal nicht Bankiers! - die Bänker der Deutschen Bank, das sind ja kleine Nummern dagegen in der Profitgier. Kleine Nummern.
Da ist was im Gang. Und da könnte eine Piraten ... Partei nennt man sie ja ... dieses Piratenphänomen könnte da die Dinge in die Hand nehmen und sagen, so geht das nicht. Sie sind ja selber, zappeln sie selber im Netz und die Spinne heißt GOOGLE und die Spinne heißt FACEBOOK. Das ist doch die Wirklichkeit. Sie zappeln doch alle im Netz. Man sagt ihnen, ihr dürft da ein Bisschen rumspielen - das finden sie toll! Insofern hat diese Bewegung etwas absolut Kindisches auch.
Muss einen das auch Angst machen, denn die Piraten sind ja zugleich auch antiintellektuell?
Ja, das passt ja dazu. Das Antiintellektuelle ist übrigens immer Teil des Populistischen. Das ist Netzpopulismus, das hier betrieben wird. Man hat ja nicht von ungefähr festgestellt, dass die Piraten auf ähnlichen Unmut basieren, wie seinerzeit die rechtpopulistische Schill-Partei in Hamburg. Jetzt fragen Sie mich, ob das Angst macht. Nein! Man muss nur drüber reden, auch wagen, gewisse Sachen zu sagen. Ich habe es gewagt, das eine oder andere, was ich gewagt habe trifft dann vielleicht nicht zu. Das macht aber nichts. Die wollen provozieren und finden sich super. Na ja. Ich auch, ich woll auch provozieren.
Es sprach Frank A. Meyer. Das Internview führte für CICERO Christoph Seils. Der Text gibt Ausschnitte daraus wieder.
Quelle: http://www.cicero.de/videos/meyers-monolog-die-piraten-sind-die-lobbypartei-toxischer-kraefte
Bild: Tor Paulin
... hätten wir 100% der paranoiden Verschwörungstheoretiker gefangen, aber nur 10% der klugen, kreativen Köpfe!
.... wären 80% der Mitläufer und angepassten Trittbrettfahrer drinnen zusammen mit schätzungweise nur 5% der Nonkonformisten und Freigeister.
... könnte man abschließen, den Schlüssel wegwerfen und sich endlich um Wichtigeres kümmern: um die Zukunft unserer Gesellschaften, um neue soziokulturelle "Techniken", um ein neues, tieferes, besseres, Generationen übergreifendes, menschlicheres Miteinander.
Aber nein!
Foto: Rrrrred
Sonnenschein. Der Frühling ist da. Die ersten kleinen Knopsen sind schon aus dem Baum gebrochen, was manchem hart arbeitenden Online noch gar nicht aufgefallen sein mag. Nun ist es warm, die Welt erstrahl in hellem Licht und das erste Wochenende steht vor der Tür. Jetzt heißt es gewappnet sein, man muss einiges aufbieten, um sich dieser Herausforderung erfolgreich stellen zu können. Technik. Und seine Netzwerke.
Es ist ja nicht so, dass sich eine Menschenmasse zusammenrauft um besonders gut auszusehen. Sie fliehen auch vor keinen Feinden - in der Regel zumindest. Menschen haben im Prinzip also nicht das gleiche Interesse einen Schwarm zu bilden, wie Tiere die das tun. Im Tierreich und im Internet spricht man von Schwarm, bei höheren Tieren heißt ein größeren Aufkommen, das beispielsweise eine blühende Ebene in einen staubige Wüstenei verwandelt, Herde. Insekten, Fische und Vögel bilden Schwärme. Säugetiere tun das nicht. Außer in Facebook und auf Twitter.
Auch wenn das nicht rechtskräftig bestätigt ist, hat das Social Networtk FACEBOOK de facto ein Monopol, ein #Socialmedia-Monopol. Das Suchmaschinen-Monster GOOGLE ist dagagen der Godfather des Internets. Viele Unternehmen sind auf Gedeih und Verderb von diesen beiden amerikanischen Datenschleudern abhängig. Der einzelne User ist es ebenfalls, was als Sucht bezeichnet werden darf.