Posterous theme by Cory Watilo

Social Media Revolution

Schnell mal ein Video zum Thema konsumieren. Ist viel leichter, als einen Text zu lesen ... und aufzunehmen. Geht auch schneller. Meist. Vielleicht auch nicht. Wer will das wissen? Wer will was wissen?

Zuweilen sieht es so aus, als würde Social Media die Menschen verdummen. Oder, nein: Als verkauften sich die Leute für dumm. Ich kann dir aus dem Stand X-User nennen, die vollkommen sinnentleert, oberflächlich und voller Euphorie Social Media nutzen. Die Euphorie verschwindet nach ein paar Jahren. Meistens. Hoffentlich.

Denn es gibt in der realen Welt so viel zu tun, so viel, um die Welt zu einem besseren Ort zu machen, dass die Zeit, die ich mit Social Media verschwende genau das verhindert. Aber sie, die mit dem Scheiß Milliarden verdienen oder daran partizipieren, wie etwa die Presse/Verlage, ballern uns immer wieder mit neuen gigantischen, verlogenen, einseitigen Zahlen zu. Und wir Fressen das wie knuddelige Deichschafe. Dabei gibt es schon ganz andere Zahlen.

Social Media ist das Ende von verlässlichen Informationen.

Cyber-Käse goes Wallstreet

Zuckerberg

Anfangs, als das Internet noch Hoffnung gebar, konnte keiner damit rechnen, dass es um mehr geht, als ums Teilen, Beteiligen und ums Öffentlichmachen. Da glaubte man noch an die heilende Wirkung von Togetherness, lebte Freiheit und Toleranz in sich selbstorganisierenden Netzwerken, beispielsweise in der Welt der aufkommenden Weblogs. Niemand dachte daran, dass man daraus ein Riesengeschäft machen kann. Denn die Stimmung war unaufgeräumt, subversiv und ... kreativ.

Wer hätte sich damals träumen lassen, dass man mit einer kleinen dummen Idee Milliardär werden kann. Wer hätte es je für möglich gehalten, dass ein Networkdienst einen milliarden Dollar schweren Börsengang an der Wallstreet hinlegt. Spätestens seit der Monopolist GOOGLE 10 Milliarden Dollar Gewinn erwirtschaftet, ist es mit der Goldgräberstimmung im Internet vorbei. Gold? Peanuts

Die Zocker haben die Oberhand gewonnen. Es geht nur noch ums Wetten. An der Börse. Um das schnelle Geld, den schnellen Reichtum. Zu welchem Preis auch immer. Na ja, gut, den Preis regelt der freie Markt. Aber zu welchem emotionalen, menschlichen Preis auch immer. Jetzt also Facebook. Man hofft auf statten Gewinn. Aber ist Facebook wirklich so viel wert, wie es heißt? Stimmen die User-Zahlen? Ich glaube es nicht und schätzungsweise die nächsten zwei Jahre werden es zeigen.

Sie handeln mit Daten, deinen Daten, deinen privaten Daten. Die verkaufen sie, das ist ihre Währung. Damit kann die Werbeindustrie besser auf dich einwirken, heißt es.

Die SPIEGEL titelte kürzlich: 901 Millionen (Menschen) gefällt das (in Anspielung auf Facebooks LIKE-Button). Es hätte aber korrekt heißen müssen 901 Millionen minus 1 gefällt das. Das wäre dann ich gewesen. Die Zahlen, alle diese Zahlen, stammen von Facebook selbst. Vor Börsengang natürlich. Absurder kann es nicht sein. Das zeichnet aber den Hype im Internet - gerade sind die die "Social" Communitys - aus: Das alles unkritisch und tump geglaubt und für bahre Münze genommen wird. Züge des Religiösen sind das. Jedenfalls ist unklar, wie man zu den User-Zahlen kommt. Sind es Profile? E-Mail-Adressen? Namen? Seiten? Viele User haben zwei Profile, einige Seiten und mehrere Gruppen (gegründet). Dazu braucht es mehr als eine E-Mail-Adresse. Außerdem gibt es recht viele Kartei-Leichen. Normal. Die allermeisten User holen sich den Account und lassen ihn brach liegen. Oder schauen alle drei Wochen mal rein und stellen fest, dass sie das gar nicht interessiert. Nach meiner Meinung kann man mindestens ein Drittel von den gut 900 Millionen abziehen. Dann klingt das schon etwas anders, obwohl immer noch gigantisch.

In jedem Fall hat sich Facebook um SPAM sehr verdient gemacht. Ich weiß nicht, ob es dazu Zahlen gibt und wer die nicht veröffentlichen will, aber das Aufkommen von E-Mail-SPAM muss korrelieren mit dem Zuwachs an Usern bei dem Social-Networkdienst. Denn nicht nur INNERHALB von Facebook wirst du zugeschissen mit SPAM. Du bekommst plötzlich Mails aus irgendwelchen Schwachsinns-Gruppen, wirst zu hinderten blödsinnigen Events eingeladen (von denen einige ja ganz charmant sind), bekommst sogenannte Spieleanfragen zu unglaublich debilen Online-Games, wirst von Friends geadded, die vom Leben klar benachteiligt wurden und distutierst vollkommen sinnlos das Weltgeschehen auf den Facebook-Seiten der "Großen", wie BILD, ZDF, MORGENPOST, SPIEGEL und wie sie alle heißen. Jeden Morgen gibt es massenhaft Einträge von professionellen Social Media Managern, die dich um deine Meinung beten. Mit einfachsten, plattesten Fragen verlocken sie dich dazu, deine unausgegorene Meinung zu irgendeinem Mist abzugegeben. Facebook-Kommentare eben. 

Ist das nicht alles unglaublich kindisch?

Im Grunde sind es demnach zwei Währungen, die Facebook gegen harte Dollars eintauscht: Daten und Aufmerksamkeit.

Während an anderer Stelle auf der Erde um Demokratie und Freiheit gekämpft wird, wo Milliarden von Menschen ums nackte Überleben ringen und von Hunger bedroht sind, dreht sich der Westen nur um sich selbst. Es geht sogar soweit, dass man glaubt, andereswo auf diesen Planeten sind sie auch alle bei Facebook. Lieben auch sie den dämlichen Cyber-Käse und den täglichen Beschiss mit allerhand Verlockungen von kostenlosem Sex über schnelllen Reichtum, vom Ruhm eines Startups oder eines Youtube-Stars.

Und natürlich die kleinen und großen Betrugsversuche verdeckt operierenden kriminellen Vereinigungen und die mickrigen Kleinganoven, die im Schutze der Anonymität einen unendlichen Datenautobahn auf dicke Hose machen. Von den vielen Verschwörungen, illegalen Downloads und sexuellen Perversionen, die im Netz auf verschlungenen Pfaden in finsteren Nischen ihr Abnehmer finden, ganz zu schweigen. Wollen das nicht alle haben? Jeder Mensch? Überall auf der Welt?

Wollen nicht alle so leben wie wir hier ... im und mit dem Cyberspace?
Klar Antwort: Nein.

Konzertmitschnitte, Youtube und das Internet

Video-aufnehmen

Ich rede viel über die Misserfolge, die ich so hatte in den letzten Jahre oder auch über die Veränderungen im Rock´n Roll. Früher hat die Band gespielt und das ganze Publikum ist abgegangen. Ich hab auf meiner letzten Tour gemerkt, ich spiel so mit der Band und kuck ins Publikum und alle stehen da mit ihrem Handy und filmem Dich wie ein wildes Tier. Und alle achten nur noch auf das kleine Display und keiner geht mehr richtig ab - das ist ganz fürchterlich.

Und ganz fürchterlich ist es ... ich habe in Cottbus gespielt, da waren zwölf zahlende Gäste in ner Halle wo 800 reingepasst hätten und dann hab ich gespielt und dann ist einer nach vorne gelaufen und hat mich gefilmt. Ein einziger. Und dann meinte ich igrendwann zu ihm: "Kannst du aufhören mich zu filmen, ich find das unangenehm!" Und dann meinte er so: "Ich kann doch machen, was ich will!"

"Kannst du bitte aufhören damit?!"
Und dann hat er das am nächsten Tag auf Youtube gestellt mit der Überschrift "Olli Schulz mag nicht dass man ihn filmt!"
Und dann hab ich mich bei Youtube angemeldet und ihm geschrieben: "Kannst du das Video wieder runternehmen?!" Und rate mal, was er geantwortet hat! "Nee, ich kann doch machen, was ich will."Das war so ein "Freidenker".
Und dann hab ich ihm gesagt: "Bitte nimm es runter!" Und dann hat er gesagt: "Woher soll ich denn wissen, dass Du wirklich Olli Schulz bist?"
Da musste ich dann ein Foto machen mit der Tagespresse, mit ner Dose Suppe in der Hand, um zu beweisen, dass ich auch wirklich Olli Schulz bin. Und dann hat er es runtergenommen.

Fürchterlich. Youtube - die sind ja voll anstrengend. Wenn du dir die Videos angekuckst, da unter die Kommentare, dann denkst du: Die Welt steht kurz vorm 3. Weltkrieg.
Weil: Du kuckst dir n Video an, der erste schreibt: "Das ist das geilste!"
Der nächste schreibt: "Das ist scheiße!"
Dann schreibt der nächste: "Du bist schwul."
Und dann schreibt der nächste: "Ich piss deinen Eltern die Augen aus dem Kopf!"
Und dann geht das immer so weiter, dann gehen die in so eine Gewaltspirale im Deckmantel der Anonymität - das ist so ätzend!

Internet ist voll dumm, find ich. Das ist so eine Plattform für alle Psychopathe auf der ganzen Welt. Schrecklich.

Olli Schulz bei Stefan Raab (TV TOTAL) am 26.4.2012

Foto: Erin!Nekervis

Offline-Linktipps gegen Doofheit No 1

Nerd

Neue Rubrik bei OFFLINE IST DAS NEUE ONLINE: Offline-Linktipps gegen die Doofheit. Heute in der Ausgabe No 1!

SPIEGEL Online: Debatte um Urheberrecht
Legt euch doch mit Apple an!
Eine Kolumne von Jan Fleischhauer
Die Piraten sind die erste Formation links der Mitte, die es geschafft hat, viele Intellektuelle gegen sich aufzubringen - mit ihrer Forderung, digitale Inhalte freizugeben. Bei den Nerds haben geistige Güter keinen besonderen Wert.

Meine Lieblingsabsatz:
Mit dem Sozialismus im Netz, wie ihn die Piraten propagieren, verhält es sich so wie mit allen Wirtschaftsexperimenten dieser Art: Entweder man findet genug Leute, die sich auch noch anstrengen, wenn vor allem andere davon profitieren - oder es gibt bald nicht mehr viel, was es wert ist, dass man es umsonst unters Volk bringt.

Der nächste Artikel, den ich empfehlen möchte hat nur vordergründig nichts mit dem Internet zu tun und er bezieht sich in der Tat auf die Offline-Welt. Das Gemeinsame ist das Neue, eine angeblich "schöne neue Welt", in der andere Werte gelten, da die alten Regeln "keine Gültigkeit mehr" hätten. Dies verbindet das folgende Thema mit den Piraten.

In der Dokumentation "Work Hard, Play Hard" wird der Mensch optimiert
Schöne, schreckliche Neuarbeitswelt
Von Hanns-Georg Rodek
Am besten wird man "Work Hard, Play Hard" wohl als Horrorfilm bezeichnen. Nun spielt er fast ausschließlich in lichtdurchfluteten Räumen, die handelnden Personen gehen ausnehmend höflich miteinander um und treffen sich an Coffee Points, um bei einem Latte über Wetter und Fußball zu plaudern. Trotzdem, und obwohl sich Carmen Losmanns Film als Dokumentation begreift, bestehe ich darauf: Dies ist ein Gruselfilm.

Mein "Lieblingsabsatz" daraus:
Der Horror in "Work Hard, Play Hard" ist nichts anderes als der Schrecken, der einen beschleicht, wenn man Zeuge einer Gehirnwäsche wird. So stellt man sich Scientology-Seminare vor. Zunächst scheint der Prediger völligen Humbug zu reden, aber irgendwann beginnen die Gepredigten, seine Phrasen aufzugreifen und sie, unbeholfen noch, selbst zu verwenden - ob aus fortgeschrittener Gehirnerweichung oder aus kalkuliertem Opportunismus, sei dahin gestellt.

P.S.: Die Aufnahmen entstanden mit Einwilligung der Firmen, denn die halten alles für völlig normal. Dies verschärft den Horror noch um ein paar Grade.

Und noch ein Artikel aus DIE WELT zum unendlichen Thema Facebook.

Soziales Netzwerk
Die große Angst der Deutschen vor Facebook
Zwei von fünf Deutschen ist das soziale Netzwerk nicht geheuer. Das besagt eine neue Umfrage. Dennoch sind mehr als 90 Prozent der Schüler und Studenten angemeldet. 
Von Florian Rinke

Facebook polarisiert. Unverzichtbare Kommunikationsplattform ist das boomende soziale Netzwerk für die einen – während andere es aus Sorge um ihre Daten ablehnen. Aber diese Zahl erstaunt dann doch: 42,6 Prozent der Deutschen haben Angst vor Facebook.

Und zwar zurecht. Und das ist mein Absatz:
Den Aschermittwoch nutzte der rheinland-pfälzische Datenschützer Edgar Wagner, um die Nutzer zur Facebook-Abstinenz während der Fastenzeit aufzurufen.
Das Netzwerk sei ein Angriff auf die Kultur, denn „Facebook ist ein Durchlauferhitzer zur Kommerzialisierung unseres Lebens und unserer Privatsphäre“, sagte Wagner

Foto: Geek And Poke

Wenn wir bedenken, was für wirtschaftliche, monopolistische, hoch gefährliche, wirklich toxische Kräfte hinter den ganzen modernen Medien stehen

Netz-gift

Kann es sein, dass wir die Piraten nicht verstehen, weil wir (beide) schon zu alt sind, weil wir das Internet und die jüngere Generation nicht verstehen?

Nein. Man könnte auch sagen: Die Piraten verstehen die Demokratie nicht! Die bedarf nämlich der strukturierten Bewegungen, die sich klar ausdrücken was sie wollen, die ein Ziel haben, die mehr als, sagen wir, Substanz haben, als den IT-Bereich, die moderenen Medien. Also, das ist ein Bisschen wenig, da muss man schon sagen, vielleicht verstehen die Piraten nicht, wie Demokratie funktioniert. Aber ich glaub überhaupt nicht, dass das eine Frage des Alters ist, das wir das nicht verstehen. Die Dinge muss man nur intellektuell durchdringen. Und ich bin nicht sicher, ob die Piraten selbst verstehen, was sie sind.

Wenn wir bedenken, was für wirtschaftliche, monopolistische, hoch gefährliche, wirklich toxische Kräfte hinter der IT-Geschichte stehen, hinter den ganzen modernen Medien; nehmen Sie GOOGLE - das ist eine Ungeheuerlichkeit was sich GOOGLE erlaubt mit Urheberrecht, mit der Vermaktung von Daten; nehmen Sie FACEBOOK - eine ganz schlimme Sache.

Natürlich, die Jungs sagen: Ist mir doch wurscht, ich geb da mein ganzes Leben preis. Na, die sind 20 und 30 und mit 40 werden sie vielleicht sagen: Es war eine Blödsinn. Aber da sind Dinge im Gang - rein kommerziell! Man könnte sogar sagen: Keine andere Partei ist so sehr eine Lobby-Partei mächtigster, mächtigster und zwar globaler mächtigster wirtschaftlicher Interessen wie die Piraten.

Die Piraten sind ja entstanden mit der Auseinandersetzung über das Urheberrecht. Die jungen Leute haben umsonst Filme, Musik downgeloaded.

Absurd. Absurd. Absurd. Jeder von denen, wenn er denn begabt ist und mal etwas macht, wo er aufs Urheberrecht angewiesen ist, weil er damit auch sein Leben verdienen kann mit seiner Leistung - das gehört doch zu unserem Wirtschaftsethos, dass man mit seiner Leistung doch sein Leben verdienen können müsste. Und sobald dann einer dieser Piraten in eine solche Sitution kommt, begreift er vielleicht, was für ein Schwachsinn da im Gang ist wenn man sagt: Ach, wir können doch alles downladen, was soll denn das, wir müssen eine neue Freiheit haben. Das ist ja das Pendant zur Finanzwelt. zur globalisierten. Die sagen auch: Das ist doch ein neuer rechtfreier Raum, was wollt ihr denn in diesen Nationen da, in diesen Gesellschaften, Staaten reglementieren, wir sind doch in einem "rechtsfreien Raum". So, in diesem Raum bewegt sich die ganze IT-Gemeinde und hat das Gefühl für uns muss neues Recht geschaffen werden.

Es muss übrigens überhaupt kein neues Recht geschaffen werden. Das Recht ist da und man muss es anwenden!

Könnte man dann sagen, sie (Die Piraten) sind im Grunde die "Fünfte Kolonne" von GOOGLE und FACEBOOK?

Es könnte so weit kommen, dass sie das sind. ich glaub nicht, dass Sie das jetzt schon sind. Aber GOOGLE, FACEBOOK und Konsorten, diese ganzen großen Machtkonglomerate werden natürlich mit großer Freude da kucken, wie "ihre Jüngsten" oder ihr "Publikum" sich da begeistert für diesen "rechtsfreien Raum", den diese - ich nenn sie "Konglomerate" - Mächte schamlos nutzen. Schamlos nutzen. Nur für Geld. Es gibt ja überhaupt keinen idealistischen Anspruch. Lassen Sie das doch sein, dass dieser Zuckerberg einen idealistischen Anspruch hatte. Um Geld gehts, um Börse gehts, um Nutzung von Daten gehts, um Vernetzung von Daten gehts, um noch mehr Geld gehts, da sind ja die Bankiers - sagen wir mal nicht Bankiers! - die Bänker der Deutschen Bank, das sind ja kleine Nummern dagegen in der Profitgier. Kleine Nummern.

Da ist was im Gang. Und da könnte eine Piraten ... Partei nennt man sie ja ... dieses Piratenphänomen könnte da die Dinge in die Hand nehmen und sagen, so geht das nicht. Sie sind ja selber, zappeln sie selber im Netz und die Spinne heißt GOOGLE  und die Spinne heißt FACEBOOK. Das ist doch die Wirklichkeit. Sie zappeln doch alle im Netz. Man sagt ihnen, ihr dürft da ein Bisschen rumspielen - das finden sie toll! Insofern hat diese Bewegung etwas absolut Kindisches auch.

Muss einen das auch Angst machen, denn die Piraten sind ja zugleich auch antiintellektuell?

Ja, das passt ja dazu. Das Antiintellektuelle ist übrigens immer Teil des Populistischen. Das ist Netzpopulismus, das hier betrieben wird. Man hat ja nicht von ungefähr festgestellt, dass die Piraten auf ähnlichen Unmut basieren, wie seinerzeit die rechtpopulistische Schill-Partei in Hamburg. Jetzt fragen Sie mich, ob das Angst macht. Nein! Man muss nur drüber reden, auch wagen, gewisse Sachen zu sagen. Ich habe es gewagt, das eine oder andere, was ich gewagt habe trifft  dann vielleicht nicht zu. Das macht aber nichts. Die wollen provozieren und finden sich super. Na ja. Ich auch, ich woll auch provozieren.

Es sprach Frank A. Meyer. Das Internview führte für CICERO Christoph Seils. Der Text gibt Ausschnitte daraus wieder.

Quelle: http://www.cicero.de/videos/meyers-monolog-die-piraten-sind-die-lobbypartei-toxischer-kraefte

Bild: Tor Paulin

Wäre das Internet ein geschlossener Raum

Paranoia

... hätten wir 100% der paranoiden Verschwörungstheoretiker gefangen, aber nur 10% der klugen, kreativen Köpfe!

.... wären 80% der Mitläufer und angepassten Trittbrettfahrer drinnen zusammen mit schätzungweise nur 5% der Nonkonformisten und Freigeister.

... könnte man abschließen, den Schlüssel wegwerfen und sich endlich um Wichtigeres kümmern: um die Zukunft unserer Gesellschaften, um neue soziokulturelle "Techniken", um ein neues, tieferes, besseres, Generationen übergreifendes, menschlicheres Miteinander.

Aber nein!

Foto: Rrrrred

Earth Hour am 31. März 2012 um 20:30 Uhr

Eine klassische OFFLINE-Aktion diese WWF EARTH HOUR. Mal für eine Stunde im Jahr das Licht aus, den Strom abschalten. Für viele in den Social Networks ist das wie einen Moment lang mal die Klappe zu halten. Das können viele nicht. Es ist ja nur ein symbolischer Akt. Damit sollten viele Online-Schussel aber etwas anfangen können. Ihre Freunde und Follower sind ja auch nur symbolisch miteinander verknüpft. Seht her, wir sind ein Netzwerk, wir verknüpften uns, um in Amerika Arbeitsplätze zu schaffen, dafür verlangen wir auch nichts. Aber wir kommen vom Thema ab.

Ich mag den WWF nicht, auch das soll nicht das Thema sein. Nur, weil man eine Umwelt-Organisation kritisiert - und kritisieren muss - heißt das ja nicht, dass die nicht auch "gute" Aktionen in Gang setzen. Wie EARTH HOUR zum Beispiel. Das müsste in Deutschland ganz gut ankommen. Allein bei dem bösen A-Wort fallen den Germanen ja die Haare aus. Hier soll jetzt der ganze Mist grün angemalt werden und dann würde alles in Ordnung kommen, glaubt man. Niemand kommt auf die Idee, auf sein iPhone zu verzichten, weniger Lebenszeit online zu verbringen, den iPod zuhause zu lassen, sich kein neues MacBook zu gönnen und das iPad einen bösen alten Mann sein zu lassen. Nein, im Gegenteil. Wenn es online geht, ist es gut. Wie das ganze Zeug hergestellt wird, ist uns scheiß egal. Das sollen die Piraten für uns rausfinden, ist aber nicht so wichtig.

Kann man diese blöden und süchtigen Leute irgendwie zur Vernunft bringen? Kriegt man sie dahin, bei der WWF EARTH HOUR am 31. März 2012 um 20:30 Uhr mitzumachen? Oder müssen wir Angst haben, damit eine Panik auszulösen, einen kollektiven Angstanfall wie nach Fukushima. Als Kulturpessimist sage ich: Bringt nichts. Als Mensch mit einem großem Herz sage ich: Ausschalten!

Die WWF Earth Hour ist eine einfache Idee, die rasend schnell zu einem weltweiten Ereignis wurde. Zum sechsten Mal geht am 31. März 2012 um 20:30 Uhr in tausenden Städten und über hundert Ländern für eine Stunde das Licht aus. Millionen von Menschen setzen dabei gemeinsam ein Zeichen für den Schutz unseres Planeten. Gleichzeitig demonstrieren sie auf vielfältige Weise, wie jeder von uns Natur und Klima schützen kann. Deshalb lautet unser Motto 2012: Deine Stunde für unseren Planeten. Was wirst Du tun?

http://earthhour.wwf.de

Foto: Chuck Lee

Orientierung und Navigation

Navi

Sonnenschein. Der Frühling ist da. Die ersten kleinen Knopsen sind schon aus dem Baum gebrochen, was manchem hart arbeitenden Online noch gar nicht aufgefallen sein mag. Nun ist es warm, die Welt erstrahl in hellem Licht und das erste Wochenende steht vor der Tür. Jetzt heißt es gewappnet sein, man muss einiges aufbieten, um sich dieser Herausforderung erfolgreich stellen zu können. Technik. Und seine Netzwerke.

"Was macht ihr am Wochenende", fragt man unscheinbar auf Twitter oder "Jemand einen Tipp für Samstag? Elbe, Alster oder Stadtpark?" auf Facebook. Und hofft, durch diese Rückkopplung an seine Social-Media-Friends und Follower ja nichts zu verpassen. Bloß nicht im Haus fragen. Die Nachbarn womöglich. Nur nicht einfach mal losgehen und sehen, was geschieht.

Ohne Handy wäre man aufgeschmissen. Was, wenn man einfach seine Ruhe hätte unten am Strand. Oder Park? Würde man sich wirklich einsam und verloren fühlen, wenn man der Welt NICHT mitteilt, wo man sich gerade befindet? Und wenn ich mich verlaufe? Wenn wir uns verabredet haben und ich den Platz nicht finde oder die anderen zu spät kommen - was mache ich dann ohne Telefon? Ohne Smartphone, das einen ganz schön doof dastehen lassen kann. 

Wie wäre es mit: Einfach mal sein und auf sich zukommen lassen?

Ja, aber wie findest du, wenn du tatsächlich offline wärest, dahin, in den Park, an den Strand, wer du keinen Navi hast? Ohne Tomtom geht ja wohl gar nichts. Ich will nichts entdecken, ich will von A nach B. Ohne nachzudenken, ohne Zeitverlust sicher ankommen. Für dieses Gefühl zahle ich gerne. Ich will mich weder verlaufen, noch verfahren, es könnte ja sein, dass ich auf fremde Menschen treffe, mit denen ich mich ... unterhalten muss. Wie peinlich, wenn ich dann nicht weiß, wo ich mich befinde. Ich will auch keine neuen Ecken entdecken, keine Bauwerke, die mich interessieren könnten, spannende Locations, die ich sonst nie entdeckt hätte. Ich will online sein, ich will Sicherheit, will mich vernetzt fühlen und umgeben.

So denken viele. Ich freue mich einfach auf ein Wochenende offline. Mal sehen, was geschieht.

Foto: Nokia RSA

Der Schwarm als Masse im Shitstorm

Swarm-masse

Es ist ja nicht so, dass sich eine Menschenmasse zusammenrauft um besonders gut auszusehen. Sie fliehen auch vor keinen Feinden - in der Regel zumindest. Menschen haben im Prinzip also nicht das gleiche Interesse einen Schwarm zu bilden, wie Tiere die das tun. Im Tierreich und im Internet spricht man von Schwarm, bei höheren Tieren heißt ein größeren Aufkommen, das beispielsweise eine blühende Ebene in einen staubige Wüstenei verwandelt, Herde. Insekten, Fische und Vögel bilden Schwärme. Säugetiere tun das nicht. Außer in Facebook und auf Twitter.

Warum sich Menschen im Internet, auf Facebook und Twitter, zu einem Schwarm zusammenballen, um zum Beispiel einen sogenannten Shitstorm vom Zaun zu brechen, ist bisher nicht genau erforscht. Offenbar fühlt sich auch der Homo Sapiens in einer Horde sicherer und traut sich mehr ... zu.

Massenphänomene kennen wir aus unsere Geschichte zuhauf. Etwa in der jüngeren Geschichte der Menschheit den Sturm auf die Bastille am 14. Juli 1789 als symbolischen Auftakt zur französischen Revolution. Diese entscheidende Revolution war der erste Shitstorm, der eine alteingesessene Monarchie hinwegfegte. Das tat später bei uns in Deutschland auch der Erste Weltkrieg, dem die jungen Männer damals mit großer Freude und in Massen beitraten. Später dann gab es bei uns eine besondere Schwarmintelligenz, die Millionen von Menschen das Leben kostete: Den Nationalsozialismus mit seinem Rassenwahn. Die Nazis, getragen durch die Masse der deutschen Bevölkerung, entfachten einen Shitstorm über ganz Europa und die halbe Welt, sie versuchten bekanntermaßen eine ganze Volksgruppe, die Juden, zu vernichten.

Heute sind diese Massenphänomene weitaus "zivilisierter". Sie kommen im Sport vor und neuerdings auch in Protestformen. Wobe - wie wir schon bemerkten - diese Massenproteste kein Phänomen unserer Tage sind, die hat es schon lange vor uns genau so gegeben. Auch die Nazis sind aus Protest auf die Straße gegangen. In unseren Tagen finden Massenbewegungen jedenfalls hauptsächlich im Internet statt. Ist viel bequemer, tut auch meistens nicht so weh. Wie bei anderen Massenveranstaltungen auch, braucht man sich auch hier keine eigene Meinung zu bilden und mühsam in einem längeren Prozess erarbeiten. Sondern man schließt sich einfach einen Schwarm an. In diesem Sinne ist die Schwarmintelligenz von den eben beschriebenen menschlichen Massenaufläufen nicht zu unterscheiden. Und nicht minder gefährlich ... für das Individuum, wie auch für die auf diese Art bekämpften Menschen. Nur heute verkaufen uns diejenigen, die von diesen Bewegungen am Meisten profitieren - Werbefachleute, Social-Media-Berater, Buchautoren, Massenmedien - den Massenwahn als Intelligenz

Und wir freuen uns darüber, ganz unverhohlen intelligent sein zu dürfen. Niedertracht in einem neuen Kleid.

Godfathers of Social Media

Godfather-monopol

Auch wenn das nicht rechtskräftig bestätigt ist, hat das Social Networtk FACEBOOK de facto ein Monopol, ein #Socialmedia-Monopol. Das Suchmaschinen-Monster GOOGLE ist dagagen der Godfather des Internets. Viele Unternehmen sind auf Gedeih und Verderb von diesen beiden amerikanischen Datenschleudern abhängig. Der einzelne User ist es ebenfalls, was als Sucht bezeichnet werden darf.

Just als das ZDF in seiner HEUTE-Sendung unter dem Titel Netzwerke: Zu Risiken und Nebenwirkungen ... Wenn nur noch Sex und Schlafen wichtiger sind auf die "Gefahren der  Soziale Online-Netzwerk" hinwies, da sie ein "höheres Suchtpotenzial als Zigaretten und Alkohol hätten, wie US-Wissenschaftler warnten, feierte Hamburg mit der Social Media Week - sprich Social Media Wiek - sich selbst und eben genau diese Online-Dienste. Diese Social-Media-Dienste, die nahezu allesamt das Internet beherrschen, in den USA ansässig sind, Geld und Daten denn auch dort verarbeiten, jenseits jeder allgemeinen Kontrolle, und die damit Milliarden von Dollars scheffeln und damit mehr als manche Volkswirtschaft.

Der Hamburger Bürgermeister Olaf Scholz, der ein guter Redner, sympathischer Mensch und Vollblut-Politiker ist, meint denn auch beim Thema Wertewandel, Social Media und Politik, es wäre für ihn durchaus denkbar, dass die Verwaltung, die Behörden seiner Stadt, über FACEBOOK den Kontakt mit den Bürgern pflegen könnten. Als Service und natürlich ohne sensible Daten. 
Ganz offensichtlich ist es für viele Zeitgenossen kaum zu begreifen - ein Wort aus dem allzu physischen OFFLINE-Bereich, das meint, man könnte nur etwas ver...stehen, wenn man es anfassen, also be-greifen kann - dass man dabei ist, sich vollends von diesen Monopolisten und "Social Media Paten" abhängig zu machen. Ganze Bevölkerungen sollen sich unter deren Nutzungsbedingungen beugen, Staatswesen von deren Allgemeinen Geschäftsbedingungen abhängen. Ganz zu schweigen von den Daten, die ins ferne Amerika geschleust werden, um damit von dort aus neue Kundenstämme zu erschließen. Es kostet den Steuerzahler ja nichts. Nur eben seine Daten, seine Willfährigkeit und Kooperation, seine Unabhängigkeit und sein Vertrauen. 

Von den Werbefuzzis sind wir ja einiges gewohnt - aber nun steigen Politiker und sogenannte Visionäre, Experten und einfache User ein in den trendigen Zug der Social Networks. Sie scheinen überbelichtet von der "Vision" demokratischerer, gerechterer und freierer Gesellschaften, die uns auf einem goldenen Tablet von jung-schnöseligen amerikanischen College-Boys präsentiert werden, die die Bedürfnisse der Beteiligten nur insofern interessieren, wie sie sich zu Geld machen und vermarkten lassen.

Vielleicht sind sie da ja den Politikern gleich, die im Grunde in ihren Legislaturperioden um Wählerstimmen buhlen und noch Ihre Oma verkaufen würden, um ihre Meinungsführerschaft zu behalten. Bei eBay natürlich.

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